Noch besser mit Mural moderieren: 6 Tipps für erfahrene Moderator*innen

Mehr als ein Online-Whiteboard

„Ich halte als Moderatorin etwas auf mich und habe mich schon 2020 schnell mit Mural angefreundet!“ und „Ich setze das visuelle Kollaborations-Tool routinemäßig ein.“ Das können heute die meisten Trainer*innen und Moderator*innen von sich sagen.

 

Seit dem Beginn der Kontaktbeschränkungen im März 2020 haben sich Tools zur visuellen Zusammenarbeit in Workshops, Live-Online-Trainings und einfachen virtuellen Meetings etabliert. Dabei werden neben Mural auch Miro und Conceptboard sehr häufig benutzt. Wenn es um intensive kreative Zusammenarbeit geht, sind diese Tools den Chat-Funktionen und den Whiteboards überlegen, die fast alle Videokonferenztools „nebenbei“ mit anbieten.

Neu auf Mural?

Diese Mural Anleitung hilft vor deinem ersten Training oder Workshop


Verbesserungen bei Mural...

Vielleicht hast du als virtuelle*r Moderator*in der „ersten Stunde“ die gleiche Erfahrung wie ich gemacht, dass sich die Möglichkeiten des Tools, aber auch seine Verbreitung und Verwendung in den letzten 12 Monaten rasant weiterentwickelt haben. Es ist kein großer „Hingucker“ mehr, wenn du mit einer wirklichen digitalen Pinnwand und wirklichen Online-Moderationskarten auftrittst. Das wird als selbstverständlich vorausgesetzt. Und die anderen Trainerinnen und Moderatoren können es mittlerweile auch.

...und bei deinen Teilnehmenden

Genauso sind auch die Teilnehmer*innen versierter im Umgang mit Mural-Boards. Sie haben weniger Nachsicht und Geduld, wenn etwas mal nicht klappt, oder du dich nicht auf auf hohem Niveau mit den Funktionalitäten auskennst.

 

In meinen Trainings vermittle ich nicht nur Workshopmethoden und Moderationstechniken sondern auch den effizienten Umgang mit Mural. Durch die Arbeit mit meinen Kunden*innen und deren Herausforderungen habe ich ständig neue Anlässe, nach den aktuellsten Lösungen zu suchen. Außerdem sind meine Teilnehmer*innen immer wieder wertvolle Tipp-Geber!

 

Wenn du bei Mural auf Ballhöhe bleiben willst, helfen sie dir hoffentlich weiter: Meine 6 Tipps um bei der Moderation mit Mural weiter zu den Besten zu gehören.

Tipp 1: „Follow me“ - Verbesserte Führen-und-Folgen Funktionen

Vielleicht hast du sie auch als „systemischen“ Unterschied zwischen Conceptboard und Mural kennengelernt: Die Moderator-Funktion.

 

Im deutschen Produkt Conceptboard bewirkte die Moderator-Funktion, dass die Teilnehmenden nur genau die Stelle und genau den Zoom-Faktor des Boards sehen konnten, den du als Moderator*in gerade im Visier hattest. So hattest du die volle Kontrolle darüber, was Teilnehmende gerade anschauen, konntest z.B. auch das Arbeiten in Gruppen zwingend beenden.

 

Beim amerikanischen Tool Mural sah das sehr anders aus: Du konntest darum bitten, „gefolgt zu werden“ oder – mit den Facilitator Superpowers ausgestattet – alle Teilnehmenden zusammenrufen (summon everyone). Doch alles war sehr freiwillig: wer wollte, konnte die Gefolgschaft einfach aufgeben, indem man sich auf dem Board woanders hin bewegte.

Follow-me Funktion in Mural

Das ist jetzt anders: Mural hat die Führen-und-Folgen Funktion stark verbessert. Als Moderator*in kannst du nun verschieden „streng“ durch das Mural führen:

 

  • „Kontrolle übernehmen“ nach dem Vorbild von Conceptboard (summon everyone, dann take control)

  • „Lose Führung“ wie die bisherige Mural-Funktion (summon everyone oder ask to be followed)

  • Führung aktiv beenden (release everyone)

 

Das letzte Feature ist besonders dann nützlich, wenn du gerade noch alle Teilnehmer*innen zusammengerufen hast, um etwas zu zeigen, sie dann eine Aufgabe erledigen lässt und die Zeit nutzen möchtest, in einem anderen Bereich des Mural-Boards etwas vorzubereiten. Die Teilnehmenden, die dann die Folgen-Funktion noch nicht aufgehoben hatten, „klebten“ dir früher gewissermaßen an den Fersen und sahen unter Umständen Dinge, die sie (noch) gar nicht sehen sollten. Heute klickst du für diesen Zweck auf „release everyone“.

Tipp 2: Mural-Board erweitern und richtig einstellen

Auch hier gab es in der Vergangenheit den Unterschied der Systeme: Wenn du bei Conceptboard oder Miro versuchst, das „Ende“ des Boards zu erreichen, ergeht es dir wie dem sagenhaften Sisyphos. Zwar ohne Felsblock und Berg, aber ein Ende ist auch hier nicht erreichbar.

 

Dagegen hat das Mural-Board definierte Grenzen. Das hat den Vorteil, dass Teilnehmer*innen nicht „unendlich verstreut“ Inhalte auf das Board bringen und ihr sie (oder ihren Inhalt) dann nicht mehr wiederfindet. Die Grenzen – oder besser, die Größe des Boards konntest du bisher nur aufwendig in den Einstellungen ändern, indem du Pixel-genaue Zahlenwerte eingabst.

Mural-Board vergrößern

Auch hier hat das Team von Mural eine deutliche Verbesserung programmiert: Die Größe des Mural-Boards lässt sich jetzt auch spontan und ohne Beschäftigung mit Pixel-Werten während des laufenden Online-Workshops mit einem praktischen Handgriff verändern. Dazu brauchst du lediglich den seitlichen, oberen oder unteren Rand des Boards mit der Maus „festhalten“ und in die gewünschte Richtung ziehen.

Mehr davon? Melde dich jetzt zum Newsletter an!

Tipp 3: Wirklich anonymer Privatmodus

Für das Arbeiten im „Privatmodus“ gibt es verschiedene Gründe: In manchen Situationen möchtest du, dass Beiträge der Teilnehmenden anonym bleiben. Zum Beispiel, um sicherzustellen, dass auch in „heiklen“ Konstellationen die ehrliche Meinung ans Licht kommt. Vielleicht möchtest du als Moderator*in oder Trainer*in auch einfach nur vermeiden, dass die Teilnehmende voneinander „abschreiben“ oder sich von anderen Beiträgen ablenken lassen, während sie selbst schreiben. Ich persönlich glaube, dass der zweite Grund einfach entkräftet werden kann, indem du darauf achtest, dass in der Schreibphase einer Kartenabfrage ausreichend Platz zwischen den Sticky Notes ist. So haben die Teilnehmenden ganz ohne Zwang den Fokus auf den eigenen Karten.

Egal für welchen Zweck, seit 2020 gibt es die Mural-Funktion „Private Mode“. Alle Karten, die ab dem Aktivieren des Private Mode bearbeitet werden, werden für die übrigen Nutzer (auch für dich als Moderator*in oder Trainer*in) ausgeblendet. Erst nach Beendigung des Private Mode werden die Sticky Notes für alle sichtbar. Wichtig zu wissen (...und zu nutzen...) ist unbedingt im ersten Fall – wenn es um Anonymität geht, dass man die Person, die zuletzt eine Änderung an einer Sticky Note vorgenommen hat, auch über die Funktion „Show Info“ identifizieren kann. Falls es also wirklich anonym sein soll, denke bitte unbedingt daran, dass ihr bereits beim Aktivieren des Privat Mode die Option „No, ...“ bei der Frage „Reveal authors when Private Mode ends?“ auswählt!

Tipp 4: Jetzt komfortabler am Hintergrund fixieren

Damit dein aufwendig vorbereiteter Inhalt nicht während des Workshops versehentlich verschoben, gelöscht oder geändert wird, gibt es die „Lock“ (Fixieren) – Funktion. Diese entspricht in etwas dem Umwandeln eines Bildes in ein „Hintergrundbild“ in Powerpoint oder OneNote. Die so fixierten Sticky Notes, Text- oder sonstigen Elemente lassen sich nicht mehr auswählen und manipulieren, ohne dass man sie zunächst in einem separaten Schritt löst („unlock“).

 

Wenn dein vorbereiteter Inhalt aus einer größeren Anzahl von Elementen bestand, war es wichtig, eine „Gruppierungs-Strategie“ zu haben: Welche Elemente willst du sinnvoll in einer Gruppe zusammenfassen, um sie anschließend am Hintergrund zu fixieren? Schließlich wolltest du bei spontan notwendigen Änderungen nicht umständlich jedes Element einzeln lösen (unlock), um es dann wieder bearbeitbar zu haben.

Mural Fixierung aufheben

Hierfür haben sich die Entwickler*innen von Mural etwas einfallen lassen: Die „inclusive selection“ (inklusive Auswahl). Durch gleichzeitig gedrückte Umschalt- und Steuerungstaste lassen sich nun auch fixierte (locked) Elemente in eine Mehrfachauswahl einbeziehen. So kannst du viele einzelne Elemente gleichzeitig mit einem einzigen Klick lösen („unlock selection“) und direkt bearbeiten, verschieben oder löschen. Eine „Gruppierungs-Strategie“ ist somit nicht mehr notwendig!

Tipp 5: Weitere neue Mural-Funktionalitäten

Neben diesen wesentlichen Erleichterungen für deine Arbeit vor und während des Trainings oder Workshops gibt es auch noch einige Neuerungen, die eher zur „Kür“ gehören, weil sie das Teilnehmererlebnis verbessern können:

„Ich bin die blaue Katze“

Wer kennt das nicht: Kinder, die ihre Hausaufgaben in Hörweite erledigen, bekommen völlig neue Vorstellungen vom Berufsbild ihrer Eltern, wenn diese an einem Online-Workshop teilnehmen: „Ich bin die blaue Katze“ - „...und ich die rosa Spinne“

Statt der bereits kultigen Tiernamen kannst du als abwechslungsreiche Moderator*in oder Trainer*in nun auch Musikinstrumente oder Reiseutensilien als Aliase vergeben lassen. Die Einstellung dazu findest du unter „Mural Settings“ (im Pull-down-Menü neben dem Namen des Mural-Boards).

Elektronische Emotionen

Das bereits aus verschiedenen Videokonferenztools bekannte Ausdrücken von Emotionen auf „elektronische Art“, also Herzchen, Daumen hoch, oder einen „Party Popper“ steigen lassen, funktioniert jetzt auch auf Mural.

Und das Beste daran – du kannst es auch ausschalten! Das hilft besonders, wenn du die emotionale Interaktion über den Audio- und Videokanal fördern willst – was ich nur empfehlen kann. Die entsprechenden Schaltflächen befinden sich am unteren Bildschirmrand: Links neben den aktiven Teilnehmenden sind die „reactions“ und nur du als Mural Facilitator kannst sie durch Klicken auf das eigene Profilbild und „disable reactions“ ausschalten.


Deutliches Zeigen mit dem Laserpointer

Auch der sogenannte „Laserpointer“ hat seinen Ursprung in Videokonferenztools. Dort hast du ihn vielleicht schon beim geteilten Bildschirm benutzt, um deutlicher als nur mit dem Mauszeiger zu signalisieren, was du gerade zeigen möchtest. Die Aktivierung in Mural ist derzeit nur für dich als Mural Facilitator möglich und denkbar einfach: Den Buchstaben „H“ gedrückt halten, während du die Maus bewegst. Achtung: Stelle zunächst sicher, dass du nicht mehr im Bearbeitungsmodus eines Elements bist, sonst ist die Sticky Note ganz schnell mit hhhhhhhhhhhhhhhhhh gefüllt.

Systematisch Farbe bekennen

Mit einer ziemlich verborgenen Funktion kannst du Teilnehmenden die Auswahl der Farbe erleichtern oder sogar abnehmen, wenn du z.B. die Sticky Notes systematisch färben möchtest: Bei der Auswahl der Farbe im Kontextmenü eines beliebigen Elements erscheint als erste der „Custom Colors“ (individuelle Farben) immer ein Kreis mit der Farbe des eigenen Avatars (also das Blau der Katze und das Rosa der Spinne). Alle anderen Farben werden als Quadrate angeboten.


Klangvielfalt beim Timer

Passend zu den Themengebieten der Avatare kann man jetzt auch den Ton des Weckers einstellen: Kuckucksuhr (Tiere), Cello-Tonfolge (Musikinstrumente) und "Anschnallzeichen erloschen" (Reiseutensilien). Apropos: es handelt sich laut Mural tatsächlich um Originalton, den viele von uns noch aus der Zeit der Flugreisen kennen.

Mural auf Deutsch umstellen

Für viele Nutzer*innen ist es eine Hürde, dass die Befehle, Optionen und Menüführung von Mural nur auf Englisch verfügbar ist. Dagegen kann man leicht Abhilfe schaffen: Da Mural im Browser funktioniert und angezeigt wird, kann man bei der Verwendung von Google Chrome die Übersetzung aktivieren und erhält ein erstaunlich gutes Resultat.


Tipp 6: Hausaufgabe mit Erklärvideo,Tutorial oder Anleitung kombinieren

In deinem Meeting, deinem Workshop oder Training ist die Zeit knapp: Das Ziel ist ehrgeizig, die Terminkalender aller Beteiligten sehr voll und entsprechend die Agenda knapp kalkuliert. Da wird das Teamgefühl schnell strapaziert, wenn sich gleich zu Beginn der Veranstaltung große Unterschiede zwischen den Teilnehmenden in der Mural-Versiertheit offenbaren. Die einen kommen nicht mit, stören entweder mit vielen Nachfragen oder resignieren lautlos. Die anderen regen sich auf oder beginnen abzudriften, während du die Langsamen auf Stand bringst.

 

Um den Unterschied möglichst vorher auszugleichen, haben sich in meiner Praxis diese zwei Schritte bewährt:

 

  1. Ich verschicke vor dem Training eine Mural-Anleitung als Erklärvideo, dass zielgruppen- und kontextgerecht die wichtigsten Mural-Funktionen beschreibt, ohne ein aufgeblähtes IT-Training zu sein. Wenn du eine Inspiration für dein eigenes Video suchst oder oder schnell etwas Fertiges zum Starten brauchst, hilft dir mein kurze Mural Anleitung auf deutsch auf YouTube.

  2. Eine kleine Hausaufgabe erlaubt es jede*r Teilnehmer*in, sich in der eigenen Geschwindigkeit und unbeobachtet im Vorfeld zum Training oder Workshop in die Mural-Funktionen einzuarbeiten. Der Zweck ist weniger das Arbeitsergebnis, sondern der Anreiz, sich mit Mural zu beschäftigen. Die bloße Aufforderung „Macht euch mit den Grundfunktionen vertraut!“ bringt erfahrungsgemäß weniger Erfolg.

Fazit: Murals Vorteile kennen und zielgerichtet nutzen!

Und all das sollst du machen, um deine Teilnehmer*innen zu begeistern? Keine Sorge, du brauchst nicht alle Tipps auf einmal umsetzen. Suche dir lieber den einfachsten heraus und versuche diesen direkt bei der nächsten Veranstaltung umzusetzen. Sobald du Feedback bekommen hast, kannst anpassen und vielleicht noch weitere Neuigkeiten hinzunehmen. Mit jedem Training und Workshop wirst du besser werden!

 

Hier findest du einen Überblick über die Alternativen zu Mural und die Vor- und Nachteile der verschiedenen visuellen Interaktions-Tools.

 

Bei allem was du änderst, frage dich immer zuerst, was du damit erreichen willst und bleibe dran. So wirst du bei der Moderation mit Mural wieder zu den Besten gehören!

Mehr davon? Melde dich jetzt zum Newsletter an!